Der Kabeljau – Darf man den bedrohten Fisch überhaupt noch essen?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Man kann! Kabeljau oder Dorsch, gemeint ist immer der gleiche Fisch. In der Regel wird der junge Kabeljau als Dorsch bezeichnet, während der geschlechtsreife Raubfisch dann Kabeljau heißt. Allerdings gilt das nur für den Fisch aus der Nordsee, fängt man ihn dagegen in der Ostsee, ist dies eben ein Dorsch. Doch gibt es über die Weltmeere verteilt ganz verschiedene Kabeljauarten, die niemals als Dorsch bezeichnet werden. So muss man wissen, dass eben nicht alle Kabeljauarten radikal vom Aussterben bedroht sind, wenn auch manche stark gefährdet.

Bis in die 80ziger Jahre hinein war der Kabeljau oder Dorsch wegen der überreichen Bestände der Speisefisch Nummer Eins und feierte seinen Erfolg hauptsächlich in der Verarbeitung von Fischstäbchen. Wegen der radikalen Überfischung wurden diese dann zunächst aus Seelachs, dann aus Seehecht und später aus Alaska-Seelachs hergestellt. Hauptursache für die Überfischung waren die industriellen Fangmethoden mit ihren immer kleiner werdenden Netzen, so dass die Jungtiere, bevor sie überhaupt gelaicht hatten, auf dem Teller landeten. Eine weitere Ursache ist in der illegalen Fischerei zu finden. Heute wird wieder mit größeren Netzen gearbeitet, so dass sich der Kabeljaubestand inzwischen an vielen, aber nicht an allen, Fanggründen langsam erholt hat.

Heutzutage gibt es in der Nordsee etwa sieben Mal weniger geschlechtsreife Kabeljauen als vor dreißig Jahren. Heute wird die Anzahl von Elterntieren auf knapp 80.000 Tonnen geschätzt, normalerweise müsste diese Zahl etwa sechs Mal so hoch sein. Wie vorher beschrieben, ist nicht jede Kabeljauart vom Aussterben bedroht. Allerdings sollte man darauf verzichten, Kabeljau aus Küstenregionen, besonders aus der östlichen Ostseeregion, zu verzehren, während der Bestand des Islandkabeljaus sich inzwischen einigermaßen erholt hat.

Auch Zuchtfarmen gibt es inzwischen, doch sind die Kostenbemessungen für diese kleinen Projekte im Gegensatz zum industriellen Fischfang ziemlich hoch. Sofern ein Kabeljau aus einer nachhaltigen Fischerei stammt, kann er also ohne Bedenken verzehrt werden, auch wenn dieser spürbar teurer ist als klassisch gefangener Fisch. Einige Supermarktketten agieren inzwischen beispielhaft und bieten nur noch Kabeljau aus Zuchtstationen an. Ob gebraten, gedünstet oder gekocht: Der leckere Weißfisch ist und bleibt beim Liebhaber der feinen Fischküche Favorit und kann, sofern er aus kontrolliertem Fanggründen oder Zuchtstationen kommt, ganz ohne Gewissensbisse verzehrt werden.